Geburts- und Taufort Würzburg

Rechts Kurie Röttelsee, Geburtshaus
Portalstein Kurie Röttelsee, Museum München
Familienbilder aus dieser Zeit

 

In jedem Kind träumt Gott den Traum der Liebe,
in jedem Kind wacht ein Stück Himmel auf,
in jedem Kind blüht Hoffnung, wächst die Zukunft,
in jedem Kind wird unsere Erde neu.

Unbekannter Autor

 

Die Lebenswurzeln von Gertraud von Bullion liegen in Würzburg. Hier wird sie am 11. September 1891 geboren. Sie ist das vierte von sechs Kindern von Arthur Graf von Bullion, der aus einem französischen Adelsgeschlecht stammt, und seiner Ehefrau Maria Theresia, geborene Startz aus Aachen. Die Familie bewohnt am Paradeplatz 4 an der Ostseite des St. Kiliansdomes den ehemaligen Domherrenhof Röttelsee. Das Haus steht heute nicht mehr.

Reiche Fürstbischöfe umgaben sich einst mit ebenfalls reich ausgestatteten Domherrenhöfen. Später ging der Domherrenhof in Privatbesitz über. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Hauskapelle in einen Wohnraum umgestaltet. Diese Kapelle war einst der Verkündigung Mariens geweiht. Gertraud kommt also an einem traditionsreichen, gesegneten Ort zur Welt und ihre Geburt darf in diesem programmatischen Zeichen der Verkündigung gesehen werden.

Im Taufregister der Dompfarrei ist der 15. Oktober 1891 als Tauftag ausgewiesen.  Das Kind wird auf die Namen Maria Theresia Wilhelmine Gertraud Johanna getauft und Gertraud als Rufname bestimmt. Durch die Taufe wird sie Glied der großen Gemeinschaft der Glaubenden. Gertrauds Lebensweg steht von Anfang unter dem Schutz und dem Zeichen Jesu und seiner Mutter Maria.

Erste frühkindliche Eindrücke in Würzburg sind die prächtigen Gebäude mit den vielen Madonnen, die romanischen, barocken und gotischen Kirchen, Residenzen und Schlösser. Sie erlebte die bunten Militärparaden unter den Kastanienbäumen des Paradeplatzes wie auch die festlichen Prozessionen der Bischofsstadt zum Dom mit dem Märtyrergrab des Frankenapostels Kilian. Die begleitende Musik wird man in der elterlichen Wohnung deutlich gehört haben.                                         

Ein schwerer Schicksalsschlag überschattet Gertrauds frühe Kindheit in Würzburg. Sechs Tage vor der Geburt des jüngsten Bruders stirbt die ein Jahr ältere Schwester Hildegard an den Folgen eines Unfalls. Ein erschütterndes Ereignis, das vermutlich in der Familie Spuren hinterlassen hat. Gertraud schließt sich besonders ihren beiden jüngeren Geschwistern an und bleibt ihnen ihr ganzes Leben sehr nahe.

Sie ist fünf Jahre alt, als ihr Vater 1896 in die Fuggerstadt Augsburg versetzt wird und mit seiner Familie die mainfränkische Garnisonsstadt Würzburg verlässt. Als Rote-Kreuz-Schwester wird Gertraud während des Ersten Weltkrieges in Frankreich und Belgien mit dem Würzburger Militärpfarrer Dörflein und der Rot-Kreuz-Schwester Anneliese Wolz aus Würzburg-Heidingsfeld eng zusammenarbeiten und freundschaftlich verbunden bleiben. Diese Freundschaften führen sie in späteren Jahren öfter wieder nach Würzburg zurück. So bleibt auch der Kontakt zu ihrer Geburtsstadt.