Heiligtum und Altes Haus in Schönstatt

Als Rote-Kreuz-Schwester im Lazarettdienst während des Ersten Weltkrieges hat Gertraud von Bullion von Schönstatt gehört. Vom Lazarett in Mons in Belgien aus bat sie darum, dass ihr Name ins Schutzalbum, das im kleinen Heiligtum auslag, eingetragen werde – eine erste Kontaktaufnahme! Nach dem Krieg drängte sie zum Wiedersehen mit den Kameraden von einst an diesem besonderen Ort, der den jungen Theologen so viel bedeutete.

Was fand sie dort? Eine kleine Kapelle von ärmlicher Ausstattung und gegenüber das sogenannte „Alte Haus“, das sich nicht nur arm, vielmehr primitiv präsentierte. Gertraud hatte durch Vertreter der sog. Außenorganisation und durch Briefkontakt mit dem jungen Gründer Pater Kentenich Feuer gefangen und brannte darauf, Frauen einen Zugang zu dieser neuartigen Bewegung zu bahnen. Sie bedrängte den Gründer, eine Frauentagung zu halten. Seine Mitarbeiter waren der Meinung, das Alte Haus sei kein Tagungsort für Frauen. Gertraud vertrat die Auffassung, sie schlafen lieber auf Strohsäcken, als dass sie nicht kommen. Da Gertraud „bohren“ (P. Kentenich) konnte, kam die erste Frauentagung allen Widerständen zum Trotz im August 1921 zustande. Einige Teilnehmerinnen übernachteten in Privatquartieren in Vallendar, Gertraud mit einigen anderen im Alten Haus. Gertraud legte mit Hand an, das Haus ein wenig herzurichten. Die Holzhocker von den Betten wurden zusammengetragen für die Vorträge. Man sah Gertraud vor der Tür sitzen und Kartoffel schälen. Mit einem Bollerwagen holte sie Teilnehmerinnen am Bahnhof ab, um ihnen den Transport der Koffer zu erleichtern. Äußere Ausstattung.

Komfort und Behaglichkeit, das brauchte sie nicht. Das damalige schlichte Ur-Schönstatt bedeutete Gertraud immer mehr eine geistig-geistliche Heimat. Einer Mitschwester schrieb sie: „Du hast am Quell geschöpft und wirst nun immer wieder danach Verlangen tragen“.

Im kleinen Heiligtum war sie daheim und erlebte dort die Wirksamkeit der Gottesmutter Maria. Dadurch gestärkt war sie neu motiviert für ihr vielfältigen apostolischen Tätigkeiten. So schrieb sie in ihr Tagebuch: „Der erste Augenblick im Kapellchen war so schön! Ich kniete nieder und sagte nur: Da bin ich wieder, Mutter, und habe dir auch etwas mitgebracht - mein Herz."