3. Raum: Als Mitgründerin
                             zur Vollendung ihrer Hingabe

Nach dem Krieg bedrängt Gertraud den Gründer, Frauen in die neue Bewegung aufzunehmen. Im Frühjahr 1920 wird Gertraud als erste Frau in die Liga aufgenommen. Im Herbst gewinnt sie ihre Kusine Marie Christmann dafür. Beide streben aber zum     Apostolischen Bund. Am 8. Dezember 1920 weihen sich Ger-traud von Bullion und Marie Christmann in einer privaten Weihe als erste Frauen im Apostolischen Bund. Die Medaille mit dem "Caritas Christi urget nos" - dem Pauluswort "Die Liebe Christi drängt uns" -, ist Zeichen für ihre Mitgründertätigkeit. Das Bild von der Abschlussprüfung des großen Krankenpflegekurses nach dem Krieg in Augsburg zeigt Gertraud im Jahr ihrer ersten Weihe. Im August 1921 fährt sie während ihrer Kur in Bad Lippspringe zur ersten Frauentagung nach Schönstatt. Als Führerin der nördlichen Region arbeitet Gertraud am Auf- und Ausbau des Frauenbundes verantwortlich mit. Zielstrebig setzt sie die Inspirationen des Gründers in frauliches Gemeinschaftsleben um. Sie reist zu den Gruppen auch unter schwierigsten Bedingungen. Die Frauenbewegung, Liga und Bund, wachsen rasch, weit und tief. Am 16. April 1925 weihen sich zwanzig Frauen der MTA im Heiligtum auf ewig. Mitten in der Welt wollen sie dem  armen, gehorsamen, jungfräulichen Christus nachfolgen und bilden eine neue Gemeinschaftsform in der Kirche. Aus einigen Entwürfen eines Weihegebetes wählt der Gründer das von Gertraud formulierte aus (Kopie des handschriftlichen Weihegebetes im Rahmen an der Wand). Mit ihrem Gebet weihen sich die ersten Bündlerinnen für immer. Ger-traud sagt darüber, hinter jedem ihrer Worte stehe innerer "Kampf, Gnade und Sieg".
In ihrem persönlichen Ideal kommt ihre starke Christusliebe und ihre apostolische Grundhaltung zum Ausdruck:
"Herrin, Mutter... Meine ganze Liebe deinem Jesus, meine ganze Kraft den Seelen als dein Werkzeug."
Werkzeug des Dienens und Liebens in der Hand der MTA will sie sein. Sie setzt sich mit den anderen sehr ein, dass das Heiligtum und alte Haus (heute St. Marien beim Urheiligtum) Heimat für die ersten Bündler wird.
Das Originalfenster aus Gertrauds Zimmer im alten Haus zeigt uns ihren Blick auf das Heiligtum. Hier hat sie eine einzigartige Lebens- und Kraftquelle gefunden. Die fortschreitende Krankheit war für die aktive Führerpersönlichkeit sehr schwer. Die Ansteckungsgefahr machte sie mitten in Gemeinschaft einsam. Bis zum letzten Atemzug ringt sie um ihre Hingabe, "um Vollendung im Opfertod". Monatelang geht sie in hohem Fieber auf ihren Tod zu. Sie bittet um das Gebet im Heiligtum von Schönstatt und lässt der Gottesmutter sagen: "Ich nehme keinen Buchstaben meiner Weihe zurück."
Am 11. Juni 1930 stirbt sie, erst 38 Jahre alt. In der Grabstätte ihrer Großeltern und Eltern auf dem Friedhof in Kempten wird sie beerdigt. Bald nach ihrem Tod heißt es von ihr: "Gertraud ist buchstäblich für unsere Bewegung ein Grundstein geworden." Seine Tragkraft wird als Kraft Christi erkannt. Das Augsburger Sonntagsblatt schreibt drei Jahre nach ihrem Tod: "Mitten unter uns leben die neuen Heiligen."
Gertraud ist ein Modell, wie Heiligkeit von Laien gelebt werden kann. Sie ist ein exemplarisches Werkzeug der MTA vom Heiligtum aus. Als Mitgründerin für die Frauenbewegung ist sie eine große Tochter des Gründers und Zeugin seiner Schönstattspiritualität.