2. Raum: Als Rote-Kreuz-Schwester
                                im Ersten Weltkrieg

Die Brosche der Kriegspflegerin symbolisiert diesen wegweisenden Lebensabschnitt. In den ersten Kriegstagen meldet sich die junge Offizierstochter freiwillig beim Roten Kreuz. Bald dient sie als Schwester Gertraud an der Westfront, in Cambrai/Frankreich und in Mons und Hasselt/Belgien. Bis zum äußersten setzt sie sich ein. Sie kann manches Leben retten helfen, aber auch Glauben in Herzen zurückbringen. Als "katholische Großmacht" prägt sie das Klima in ihren Lazaretten. Sie entdeckt in sich: "Welch ein Gnadenzug durch mein Leben geht? Ich glaube, es war immer der Drang, mich apostolisch zu betätigen." Dafür tut sich ihr ein weites Feld auf. Ihr Kriegstagebuch spiegelt eine innere Entwicklung wider: von ihrem nationalen patriotischen Engagement zu sozialer Verantwortung für ihre Verwundeten bis zu religiöser Sorge, als sie konfrontiert wird mit viel seelischer Not. In dieser Zeit wirbt ein junger Mann um Gertrauds Liebe. Doch Gott schenkt ihr ihre Schönstattberufung.
Sie begegnet in den Lazaretten in Cambrai und Mons dem jungen Schönstätter Franz Xaver Salzhuber. Zu seiner Theologengruppe gehört auch der Theologiestudent Nikolaus Lauer (auf dem Foto hinter Salzhuber), der später Gertrauds Biograph wird. Durch Frater Salzhuber hört sie vom Liebesbündnis mit der MTA im Heiligtum von Schönstatt. Sie korrespondiert seit 1917 vom Lazarett aus mit dem Gründer Pater Josef Kentenich und bezieht seine Zeitschrift MTA. Sie richtet verborgen ihr Leben nach den Inspirationen von Pater Kentenich aus. Persönlich ist sie tief getroffen von den globalen Umwälzungen und Entwertungen durch den Krieg. Aber sie erkennt in Schönstatt eine Antwort Gottes auf die großen Herausforderungen.

Im Pflegedienst infiziert sich Gertraud mit dem Todeskeim der Lungentuberkulose. Viele Lebenspläne werden dadurch durchkreuzt. Das Kreuz aus Schindeln (vom Gebetsraum im Kurort Schömberg) ist ein Zeichen, dass der göttliche Vater sie in die Kreuzesnachfolge Christi berufen hat. Gereift an den großen Herausforderungen ihres Lazarettdienstes, kann Gertraud in der Kraft ihres Liebesbündnisses die Antwort der Liebe geben.