1. Raum: Wurzeln, aus denen der Baum ihres Lebens
                                gewachsen ist

Gertraud wird in Würzburg geboren und getauft. In Augsburg erlebt sie im Kreis von vier Geschwistern ihre Kindheit und Jugend in ihrem "Jugendparadies". Ihr musikalisches, gastfreundliches Elternhaus, das religiöse Leben ihrer Dompfarrei, der Maria-Ward-Schule und später der Marianischen Kongregation von St. Sebastian entfalten natürliche und religiöse Anlagen. Von 1906 - 1909 erhält sie eine standesgemäße Ausbildung in Sacré-Coeur-Instituten in Österreich, Belgien und England. Bei der Aufnahme in die Marianische Kongregation in England wählt sich die 17-jährige als ihr Lebensmotto die Devise der Könige "Serviam" - dienen will ich!" Dieses Motto wird zur formgebenden Kraft ihres Lebens. Gertraud liebt Musik, Theater, Konzerte, Tanz und Tennisspiel. Sie liebt aber auch ihre Familie und entwickelt eine große Beziehungsfähigkeit. Sie sagt von sich:
"Es war schon als junges Mädchen immer mein Ideal, einmal von Herzensgrund gütig zu werden."
Die kleinen Puppenmöbel, von Gertraud aus Postkarten gefertigt für ein Kind einer Hausangestellten ihrer Schwester, sind ein Beispiel, wie sie anderen Freude bereitet.

Als Gertraud von England nach Augsburg zurückkehrt, schließt sie sich der Marianischen Kongregation von St. Sebastian an, zu der vor allem Fabrikarbeiterinnen und Dienstmädchen gehören. Gertraud wird in das gesellschaftliche Leben ihres Adelskreises und ihrer Patrizierstadt eingeführt. Ihr Vater drängt seine hübsche Tochter zu einer Ehe. Aber Gertraud widersetzt sich und hält fest an ihrer Entscheidung, die sie schon bei ihrer Erstkommunion getroffen hat. Sie möchte eine Missionsschwester werden. Offensichtlich lässt sich Gertraud auf die soziale Frage ihrer Zeit ein und auf den missionarischen Aufbruch in der Kirche.